Frieder Wittich über “13 Semester”
Hier ein Interview das Frieder mit der Fachzeitschrift Blickpunkt:Film vor einiger Zeit geführt hat:
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Nach Werbe- und diversen prämierten Kurzfilmen (”Mosquito”, “Opus”) gibt Frieder Wittich mit “13 Semester” sein überzeugendes Kinodebüt. Die kurzweilige Komödie läuft auf den 43. Internationalen Hofer Filmtage und startet bundesweit am 7. Januar 2010 bei der Twentieth Century Fox.
Vorsichtig ausgedrückt: College-Klaumauk ist gefährliches Terrain.
Ja, und wir hatten auch richtig Respekt davor. Unser Ziel war ein unterhaltsamer Film über das Studentenleben in Deutschland und dabei wollten wir humoristisch nicht in den Slapstick abrutschen.
Auf was haben Sie besonders geachtet - denn auch in Ihrem Film wird wie in den einschlägigen US-Produktionen getrunken, gefeiert und geblödelt.
Das lässt sich nicht eindeutig beantworten. Letztendlich ist es aber das richtige Zusammenspiel von Drehbuch und Regie, die Mischung wie geschrieben und inszeniert wird, dazu Kostüm und Kamera. Alles musste stimmen, es war ein Gesamtpaket auf das alle Beteiligten eingeschworen waren. Wir wussten auch, dass wir mit Klischees arbeiten, haben also darauf geachtet, dass diese nicht platt oder plump rüber kamen.
Wie viel Autobiographie steckt in dem Stoff?
Der Grundvorlage fußt in Erlebnissen meines Co-Autors Oliver Ziegenbalg. Der hat wirklich Wirtschaftsmathematik studiert und da auch sein Diplom gemacht. Im Übrigen ist alles was im Film vorkommt wirklich erlebt. Von mir, meinen Freunden, Bekannten, Kommilitonen. Es sind auch Geschichten dabei, die man so gehört hat und die wir dann entsprechend zugespitzt, filmisch gemacht und ein bisschen aufgepeppt haben. Total erfunden ist nichts.
Wie kam man dazu, ausgerechnet in Darmstadt zu drehen?
Ausschlaggebend waren mehrere Faktoren. Ich wollte keine hippe Großstadt, sondern eher eine kleinere Studentenstadt. Und als das Projekt konkret wurde, haben wir geschaut, wo wir drehen konnten. Dann kam der Hessische Rundfunk an Bord und die Fox hat ihren Sitz in Frankfurt - nicht zu vergessen die zwei hessischen Filmförderungen. Darmstadt hat zudem gepasst weil man da sowohl Wirtschaftsmathematik als auch Architektur (wie die Freundin des Helden, Anm. d. Red) studieren kann. Darmstadt hat wie die Faust aufs Auge gepasst. Zumal die beiden Jungs aus der Provinz kommen und für die Darmstadt schon eine Großstadt ist.
Apropos Förderungen und Produzenten. Sie haben mit Claussen+Wöbke+Putz zusammen gearbeitet, die häufig mit jungen Filmemachern kooperieren.
Ich glaube einfach sie arbeiten gerne mit Erstlingsregisseuren zusammen und sind wirklich offen für alles. Sie nehmen einen ernst und für mich war es bei meinen Langfilmdebüt ein richtiger Luxus, so eine erfahrene Firma im Rücken zu haben.
Sie haben ihren Film dem Titel entsprechend in 13 Teile strukturiert.
Das war eigentlich ein Experiment. Natürlich haben wir zunächst daran gedacht, unsere Geschichte in einem Semester zu erzählen, den Helden in einem halben Jahr all das Gezeigte erleben zu lassen. Das war verlockend und wäre sicher auch dramaturgisch einfacher gewesen. Wir wollten aber ein komplettes Studium erzählen, sechseinhalb Jahre lang, was auch in der Drehbucharbeit eine echte Herausforderung war. Dementsprechend lange haben wir am Buch gesessen. Die Schwierigkeit lag darin, die Zeitsprünge richtig hinzubekommen und dabei nicht die einzelnen Figuren aus den Augen zu verlieren. Die verschiedenen Stränge, die Freundschaften, die Liebe, die Sinnkrisen wie einen Zopf zu flechten. Das Leben sollte so authentisch wie möglich dargestellt werden.
Sie erzählen die Australien-Sequenz als Dia-Show. War das ein budgetbedingte Entscheidung?
Es war uns mit unserem Erstlingsbudget klar, dass wir nicht mit einer 40-Mann-Crew nach Sydney würden fliegen können. Also galt es sich darüber Gedanken zu machen, wie man mit unserem Budget dieses Auslandsjahr würde darstellen können. So kamen wir auf diese Fotogeschichte, die wir dann mit einer Kamera aufgenommen haben, die fünf Bilder pro Sekunde schießen kann. Es ist doch oft so, dass man auf der Not eine Tugend macht und durch beschränkte Mittel kreativ wird.
Von wie viel Geld reden wir?
Ich bin nicht der Produzent, aber ich denke es waren so 2,3 Millionen Euro.
…bei wie viel Drehtagen?
Wir hatten 32 Drehtage in Hessen, einen in Brandenburg für Schnittbilder und vier in Australien.
Sie sind 2004 mit dem First Steps Award ausgezeichnet worden. Da kann man sich doch dann einen Filmpaten aussuchen.
Ja. Man bewirbt sich sozusagen um eine Mentorenschaft bei einem Paten. Bei mir stand auf Platz eins Vicco von Bülow…
Und den haben sie auch “bekommen”. Was passierte dann?
Wir haben ihm unser Drehbuch zugeschickt und er hat es penibelst gelesen. Dann, ungefähr ein halbes Jahr vor Drehbeginn, haben Oliver Ziegenbalg und ich ihn in Berlin getroffen und das Buch durchgesprochen. Wird sind nicht so ins Detail gegangen, sondern haben darüber gesprochen wann man wie eine Szene bricht. Übers Timing also, das wohl Wichtigste bei einer Komödie. Es war ein legendärer Nachmittag mit ihm - unvergesslich, denn ich bin ein großer Loriot-Fan. Sensationell.
Hat Herr von Bülow den Film gesehen?
Ja. Und er hat ihm gefallen. Ich war total erleichtert und wir haben uns dann nochmals fast zwei Stunden unterhalten.
Sehr schön auch ihre Besetzung, darunter Max Riemelt, Alexander Fehling und Claudia Eisinger… sie funktioniert gut.
Meine Casting-Chefin Suse Marquart hat sich sehr viel Zeit für mich genommen. Uns war zunächst klar, dass wir keine der üblichen Verdächtigen wollten. Wir haben zunächst Video-Castings gemacht, mit über 100 Schauspielern, jeweils eine halbe Stunde lang. Drei, vier Monate hat das gedauert. Es war ein Riesenberg an Arbeit, aber zum Schluss war ganz klar, wen wir nehmen mussten. Ich wollte neue Leute entdecken, mit frischen Gesichtern arbeiten. Ich glaube das sollte man als Debütant.
Sie haben mit ihren Kurzfilmen diverse Preise gewonnen, hat das geholfen?
Ja natürlich. Vor allem aber hat mir die Zeit an der Filmhochschule geholfen (HFF München, Anm. der Red.). Da kann man sich ohne Druck ausprobieren.
Sie bereiten schon ein neues Projekt vor.
Ja, eine Adaption von Benedict Wells’ “Becks letzter Sommer”. Es geht um einen Musiklehrer, der mit seinem Alltag unglücklich ist. Er ist ein gescheiterter Rockstar, der in seiner Klasse einen Schüler mit großem Talent entdeckt und nun als dessen Manager die Möglichkeit sieht, doch noch für sich den Weg zurück auf die große Bühne zu finden.
In welchem Stadium befinden Sie sich da?
Wir, Oliver Ziegenbalg und ich, schreiben noch am Buch.
Quelle: Blickpunkt:Film








Am 24. November 2009 um 00:24 Uhr
Herzlichen Glückwunsch zur Erfolgreichen Vor-Premiere im Audimax und auf diesem Weg nochmal vielen Dank für den unterhaltsamen Abend!
Am 26. November 2009 um 22:54 Uhr
Schönes Projekt. Habe mein Studium damals auch in Darmstadt angefangen und bin schon gespannt auf die Premiere am 14. Grüße, Alice.
Am 8. Dezember 2009 um 10:55 Uhr
[…] Für die Besetzung konnten Frieder Wittich (Drehbuch und Regie) und Oliver Ziegenbalg (Drehbuch) eine Riege junger und talentierter Schauspieler für sich gewinnen. Mit dabei sind u.a. Max Riemelt (bekannt aus Lauf um dein Leben und Die Welle), Alexander Fehling (u.a. Die Buddenbrooks), Robert Gwisdek (ebenfalls Lauf um dein Leben), Amit Shah (u.a. The Infidel) und Claudia Eisinger (Polska Love Serenade). Erzählt wird die Geschichte der Freunde Momo und Dirk, die aus der brandenburgischen Provinz an die TU Darmstadt gehen. Dirk (Robert Gwisdek) geht in seiner neuen Rolle als Student voll auf und studiert quasi auf der Überholspur. Sein Kumpel Momo (Max Riemelt) hingegen liebt die Frauen und das Feiern und landet schnell in einer Sackgasse. Er schwärmt von seiner Traumfrau Kerstin (Claudia Eisinger) und hängt lieber am Baggersee rum. Schlussendlich kriegt Momo mit Hilfe seines neuen Freundes Aswin (Amit Shah) und dessen "Käffsche" die "Lernkurve" und stellt fest, dass er irgendwie im Stau steckt… […]